Willkommen bei The Entrepreness – warum ich diesen Blog schreibe
Zwei Wochen nach offiziellen Gründung meiner Firma kam Corona. Alles dicht. Ein Unternehmen, das auf persönlichem, echten Kundenkontakt basierte, liebevoll kuratierte Produkte, endlich die Website, das Werbematerial fertig. Und noch bevor es richtig Fahrt aufnehmen konnte, kam die Vollbremsung mit dem Lockdown – wenn das kein Timing ist.
Ich erzähle dir diese Geschichte nicht, weil sie besonders glatt gelaufen ist. Sondern weil sie das Gegenteil ist von den Gründer-Stories, die man sonst liest. Kein cleverer Master-Plan, kein steiler Erfolgskurve-Chart, keine Millionenbeteiligung durch einen Investor. Sondern zwei Freundinnen, die sich die Zähne ausbissen, ein Angebot pandemietauglich umbauten, aus Fail um Fail lernten und einfach dranblieben. Und sich was aus dieser Entscheidung zu Gründen und zu lernen entwickelte, genau davon soll dieser Blog handeln.
Vom Angestelltendasein zur eigenen Firma
Bevor ich gründete, war ich angestellt – und wusste über Unternehmertum eigentlich nichts. Für mich war „Unternehmen“ etwas, das große Konzerne machen, nichts, was mit meinem Leben zu tun hat. Ich kannte keinen anderen Gründer, Vorerfahrung nicht vorhanden.
Der Sprung in die Selbstständigkeit kam nicht primär aus einem unschlagbar guten Businessplan (den gab es natürlich auch ;), sondern aus einem echten „so nicht mehr“. Ich erinnere mich noch genau an dieses flaue Gefühl und die Frage, ob das mein Berufsleben sein soll. Der Wunsch, mich noch mehr auszuprobieren, meine Kompetenzen zu erforschen, meine Kreativität auszuleben und meine eigene Chefin zu sein. Dazu kam die ständige Zählerei. Wie viele Stunden noch bis zur Mittagspause, wie viele Tage bis zum Wochenende, wie viele Jahre bis zur Rente, so wie ich es bei meinen Kollegen mitbekam. Eine feste Mittagspause von 30 Minuten, egal wie lange man abends dranblieb – als hätte jemand anderes entschieden, wie viel Erholung mir zusteht. So sollte mein Alltag nicht mehr aussehen. Ich bin dann mittags oft in einen kleinen Park in der Nähe geflüchtet, zehn Minuten hin, zehn Minuten durchatmen, zehn Minuten zurück. Und öfter, als mir lieb war, habe ich in dieser Pause eine gute Freundin angerufen, weil ich nicht mehr weiterwusste. Heute würde ich sagen: um mich emotional zu regulieren. Ist das jetzt mein Leben, die nächsten vierzig Jahre, fragte ich mich.
Dazu kam eine Unternehmenskultur, in der Zugehörigkeit zum Clan mehr zählte als Leistung, und in der ich mich als Frau nicht ernst genommen fühlte. Zuerst hatte ich den Pin-Up Kalender im Büro meines Vorgesetzten für einen Scherz gehalten, den der Azubi gemacht hat. Bis ich gemerkt habe: der Kalender mit den leicht bekleideten Frauen bleibt. Und jeder hält es für normal. Der Tiefpunkt war gekommen, als ich in der Schwangerschaft von männlichen Kollegen gefragt wurde, wann es denn soweit wäre und ich “werfen” würde. Grinsen allerseits.
Das war der eigentliche Punkt: nicht die Arbeit an sich, sondern das Gefühl, keinen Einfluss darauf zu haben, mit wem und wie ich arbeite, wie ich diesen täglichen Teil meiner Lebenszeit verbringe. Meine Ideen und Verbesserungsvorschläge, die Bitte um eine gute inhaltliche Einarbeitung, die immer wieder ins Leere lief. Alter! Diese Machtlosigkeit war es, die mich am Ende in die Selbstständigkeit getrieben hat – mit einer Wucht, die mir bis heute Feuer unterm Hintern macht, wenn ich selbst mal die Disziplin verliere.
Also haben meine Freundin und ich gegründet. Unser erstes Projekt – aus heutiger betriebswirtschaftlicher Sicht ein Reinfall. Aber dabei kam etwas viel Wichtigeres heraus als eine erfolgreiche erste Firma: Wir haben gelernt, dass man es einfach machen kann. Alles tatsächlich. Steuern, Website, Kundengespräche – alles kein Hexenwerk, sobald man mittendrin steckt, statt nur davon zu träumen. Und aus der ersten, holprigen Idee wurde mit der Zeit das, was heute mein Kerngeschäft ist.
Ein weiterer Glücksfall aus dieser Anfangszeit: Ein Student, der als begeisterter Kunde anfing, dann seine Bachelorarbeit bei uns schrieb – und heute meine rechte Hand im Unternehmen ist. Ohne ihn würde ich die Firma heute nicht so führen können, wie ich es tue.
Der Unterschied zwischen selbstständig sein und ein Unternehmen führen
Das ist der Punkt, um den es in diesem Blog wirklich gehen wird – und der Unterschied ist größer, als er von außen aussieht.
Selbstständig zu sein heißt oft: Du arbeitest im Unternehmen, teils allein. Du kennst jeden Kunden, jeden Prozess, bist mit allen Dienstleistern im direkten Austausch. Das ist wertvoll – aber deine Einnahmen bleiben für immer an deine eigenen Arbeitsstunden und Kapazitäten gekoppelt. Willst du mehr, musst du mehr arbeiten. Das Rad dreht sich schneller, die Kosten steigen mit – und irgendwann steht die Erschöpfung am Ende dieses Wegs.
Unternehmerin zu sein heißt für mich etwas anderes: die eigene Aufgabe darin zu sehen, sich selbst überflüssig zu machen. Strukturen und Prozesse zu bauen, die andere übernehmen können – mit dem nötigen Wissen und der nötigen Befugnis, sie auch wirklich auszufüllen. Das ist unbequem, weil es am Ego kratzt. „Ich kann das doch am besten“ ist der Satz, der Wachstum am zuverlässigsten killt.
Heute stehe ich mit meiner Firma an einem Punkt, an dem genau das mein Alltag ist: ein Team aus freien und festen Mitarbeitenden, das stetig wächst. Der größte Engpass ist gerade, all diese neuen Menschen gut einzuarbeiten, und nicht den Überblick über die rasend schnell wachsenden Tools zu verlieren – und genau solche sehr praktischen, sehr unglamourösen Herausforderungen sind es, über die ich hier schreiben will. Nicht die Hochglanz-Version a la “Millionärin über Nacht die immer alles wuppt und dabei lässig die Kids erzieht während sie sportlich fit, gut gekleidet und mentally sane ist”. Ne.
Warum ausgerechnet ich darüber schreibe
Ich bin nicht nur Unternehmerin, sondern auch Mutter zweier kleiner Kinder. Der Spagat zwischen wenig verfügbarer Zeit und hoher Belastung ist real, jeden Tag. Und genau deshalb interessiert mich Unternehmertum statt Selbstständigkeit. Ich möchte Automatisierung und Prozessoptimierung nicht als Buzzword, sondern als Überlebensstrategie: Wie baut man ein Unternehmen, das nicht ausschließlich an der eigenen Kapazität hängt? Wie delegiert man wirklich, anstatt jeden Prozess ständig zu überwachen?
Ich habe selbst kein ganz tiefes technisches Verständnis – auch das gehört zur Ehrlichkeit dieses Blogs dazu. Ich lerne vieles davon selbst gerade erst richtig, während ich es umsetze. Und es gibt so viel zu Lernen!
Zusammenfassung
Dieser Blog ist kein Ratgeber von jemandem, der oben angekommen ist und jetzt von oben herab erklärt, wie es geht. Er ist der ehrliche Blick einer Unternehmerin, die mitten im Übergang steckt: vom „ich mache alles selbst“ hin zu einem Unternehmen, das auch einen Monat ohne sie funktionieren. Mit allen Umwegen, Fehlern und kleinen Siegen, die dazugehören. Wenn du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst – oder dorthin willst – bist du hier genau richtig. Ich freue mich auf jeden Fall, dass du da bist. Denn entweder wir gehen schon den gleichen Weg, oder du interessierst dich für meinen – und vielleicht kann ich dir helfen, ein paar meiner Fails nicht zu wiederholen.



